Freitag, 27. Februar 2009

Christiane Geldmacher

Biografisches

Christiane Geldmacher, Freie Autorin/Journalistin, schreibt Kurzgeschichten und Krimikurzgeschichten, verschiedene Veröffentlichungen, zuletzt: Hell’s bells, Kriminalgeschichten, Poetenladen-Verlag, Leipzig 2008


Leseprobe

Kilians Pech

I.

Sylvie stand am Grab ihres Vaters und sah zu, wie sein Sarg ins Loch rumpelte. Es war ein Sarg aus furnierter Eiche, ein Körperform-Stabsarg, Oberkasten gekehlt mit umlaufender Wulst und zweifacher Perlleiste, sechs Griffe im Preis inklusive. Die Innenausstattung bestand aus einer Auspolsterung champagnerfarbig, dreiteilig. Der Preis belief sich auf 1400 Euro, die Bezugsquelle lautete Särge zu fairen Preisen. Ein Internethandel für Bestattungsbedarf bei Freiburg.
Definiere faire Preise, dachte Sylvie. Und: 1400 Euro für so einen Sarg.
„Warum sehen deutsche Särge so furchtbar aus?“, fragte sie – nicht zum ersten Mal an diesem Tag – ihren Mann Georg.
„Weil Deutsche so einen furchtbaren Geschmack haben?“, antwortete ihr Fels in der Brandung.
Sylvie hatte zu ihrem Vater nie ein besonders gutes Verhältnis gehabt. Das bedeutete nicht, dass ihr sein Begräbnis nicht nahe ging. Am liebsten wäre sie nach Italien gefahren und hätte einen schlichten Sarg aus Rosenholz geholt, nicht furniert. Karol Wojtyła war in so einem begraben worden.
Nicht, dass ihr Vater in dem gleichen Sarg liegen musste wie der Papst.
Obwohl. Gefallen hätte es ihm schon.

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen